Badezusätze

Erkältungsbad mit Schaum

Wahnsinn, wie schnell dieses turbulente Jahr vergangen ist. Auf einmal ist schon November, der Himmel ist grau und die ersten Schnupfnasen laufen herum. Wobei sie dieses Jahr etwas stärker beäugt werden als sonst: Ist das noch Erkältung oder schon Corona? 🙁

Dass es die gute alte Erkältung noch gibt, habe ich letzte Woche erfahren. Da hatte es meinen Lieblingskollegen erwischt und kurz danach meine Lieblingskollegin. Ich bin zum Glück noch davon gekommen. Habe wohl ein ganz gutes Immunsystem. Aber ich bin froh, dass der Männe schon seit Wochen im Homeoffice ist und das Haus quasi nicht verlässt. Denn wenn Erkältungsviren die Runde machen, schreit er gefühlt immer „Hier!“.

Schaumbad einfach selbstgemacht

Ob nun erkältet oder nicht, wenn es draußen so grau und ungemütlich ist, ist ein schönes, warmes Bad genau das Richtige. Macht Kopf und Nase frei und ist herrlich entspannend. Einen Badezusatz zu kreieren, stand ja schon im letzten Winter auf meiner To do-Liste. Doch dann kam immer was dazwischen, dann war plötzlich Sommer und dann verschob ich meinen Plan auf Herbst. Da der Männe Schaumbäder liebt und über Badesalze und -Öle nur die Nase rümpft, war die Aufgabe klar: Einen hautfreundlichen Badezusatz kreieren, der möglichst viel Schaum macht. Und ja, das geht 🙂

Die Grundlage ist ganz einfach: Man braucht Wasser, etwas Öl, einen Emulgator, damit einen in der Wanne nicht die Fettaugen anglotzen, und natürlich ein Tensid, das reinigt und schäumt.

Ani- was?!

Für einen mega Schaumberg sind am besten anionische Tenside geeignet (anionisch bedeutet, dass die wasserliebenden Moleküle negativ geladen sind. Das hat Auswirkungen auf ihr Reinigungsverhalten, spielt aber für unseren Badezusatz keine große Rolle). Denn diese entwickeln meist einen richtig guten Schaum und haben eine hohe Reinigungskraft, weshalb anionische Tenside in der Regel auch in Waschpulver eingesetzt werden. Allerdings wird in hartem Wasser ihre Reinigungskraft schwächer und sie können auf sensible Haut irritierend wirken. Als besonders aggressiv gelten Tenside, die auf -Sulfat enden. Zum Beispiel Ammonium/Sodium Laureth Sulfat. Wenn ihr mal die INCI-Liste herkömmlicher Dusch- und Badekonzentrat-Kosmetik studiert, wird euch diese Zutat häufig begegnen.

Deshalb ist es ratsam, anionische Tenside mit einem amphoteren Tensid zu mischen (amphoter bedeutet, dass das Tensid sowohl negativ als auch positiv geladen ist.) Amphotere Tenside haben nämlich den Vorteil, dass sie Wasserhärte ausgleichen und die Reinigungskraft des anionischen Tensids erhalten. Dazu mildern sie deren irritative Wirkung auf die Haut und stabilisieren den Schaum.

Dennoch ein Rat: Wer unter Hautkrankheiten wie Neurodermitis leidet, sollte das anionische Tensid weglassen und nur das amphotere Tensid nehmen. Das bedeutet zwar weniger Schaum, aber dafür eine zufriedene Haut.

SLSA für Mega-Schaum

Als anionisches Tensid habe ich mich für SLSA ( Sodium Lauryl Sulfoacetat) entschieden. Zum einen, weil es einen wirklich guten Schaum ergibt, dazu etwas sanfter zur Haut ist als die aggressiven Vertreter seiner Zunft, und weil ich es gerade da hatte. Allerdings gibt es SLSA nur in Pulverform. Das macht es ideal für trockene, schaumbildende Badezusätze wie Badebomben oder Badepulver. Für ein wässriges Konzentrat muss man allerdings einen kleinen Umweg nehmen und das Pulver vorher lösen. Ihr könnt natürlich auch ein anderes, anionisches Tensid euer Wahl in flüssiger Form nehmen, Hinweise zur Verarbeitung kann ich euch dazu allerdings nicht geben, da ich es noch nicht ausprobiert habe.

Mit der Hand oder der Brause aufgeschlagen, ergeben SLSA und Betain einen tollen Schaum.

Das amphotere Tensid in diesem Rezept ist natürlich mein geliebtes Betain, sanft zur Haut und gut für die Umwelt. Und etwas Schaum macht es ja auch noch. Und es gibt noch einen Vorteil: Man kann das SLSA vor der Verarbeitung in das flüssige Betain einrühren. Das ist wichtig, denn SLSA staubt extrem, was nicht sonderlich gut für die Atemwege ist. Setzt deshalb eine von euren Mund-Nasen-Masken auf und rührt das SLSA ins Betain ein, danach staubt nix mehr. Damit sich das SLSA auch optimal löst, muss es in 80 Grad heißes Wasser eingerührt werden. Mit dem Thermi ja kein Problem.

Wie viel Duft darf denn sein?

Wenn euer Grundprodukt steht, muss es natürlich noch beduftet werden. Und da wir hier ein Erkältungsbad machen, sollte auf jeden Fall etwas Frisches dabei sein, was die Nase frei macht und die Wattewolken im Kopf vertreibt. Die klassische Duftmischung für Erkältungsbad ist Eukalyptus, Pfefferminze und Kampfer. Man kann noch etwas Kiefer untermischen, ich favorisiere aber Zitrone. Ihr könnt aber auch nur ein oder zwei ätherische Öle nehmen. Da Eukalyptus und Pfefferminze mentholhaltig sind, sollten sie bei einem Erkältungsbad für Kinder am besten weggelassen werden und die Gesamtmenge der ätherischen Öle sollte ohnehin gering sein.

Allerdings ist das Beduften eine Krux. Bei meinen Recherchen empfahlen die meisten seriösen DIY-Kosmetikblogger einen Gesamtwert von 40 Tropfen ätherischen Öls auf das Produkt. Mein erster Test allerdings ergab: Da rieche ich gar nüscht. Ich habe also 40 Tropfen auf 100 g genommen und jetzt funktioniert es. Denn es handelt sich immerhin um ein Konzentrat, das ja durch das Wasser in der Wanne noch stark verdünnt wird.

Allerdings ist mein Riechorgan nicht so empfindlich wie bei anderen Menschen. Mein Rat deshalb: Fangt mit der Hälfte an und wenn es noch nicht doll genug riecht, könnt ihr immer noch nachbeduften, indem ihr noch etwas mehr ätherisches Öl in die Flasche träufelt und das Konzentrat dann kräftig schüttelt. Das ist besser als nachher nicht baden zu können, weil die Dämpfe euch umhauen.

Konzentrat für Erkältungsbad mit Schaum

für ca. 200 g

  • 20 g SLSA
  • 50 g Betain
  • 20 Öl eurer Wahl (am besten ein Basis-Öl wie Mandelöl)
  • 90 g destilliertes Wasser
  • 2 g Glycerin
  • 15 g Lysolecithin
  • 40 Tr. Biokons
  • 10 Tr. ätherisches Öl Eukalyptus
  • 10 Tr. ätherisches Öl Pfefferminz
  • 10 Tr. ätherisches Öl Kampfer
  • 10 Tr. ätherisches Öl Zitrone
  • blaue Lebensmittelfarbe (optional)
  • pH-Wert-Teststreifen
  • Saubere Flasche, am besten eine sterilisierte Mini-Sektflasche

Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. In ein Becherglas oder sterilisiertes Marmeladenglas das Betain abmessen. Danach löffelweise das SLSA zufügen. Vorsichtig verrühren.Jetzt könnt ihr die Maske wieder abnehmen.

Das Wasser in den Mixtopf geben und auf 80°C erhitzen. Nun die Tensidmischung zugeben und 1 Min./ St. 1 verrühren. Die Flüssigkeit sollte danach klar sein. Abkühlen lassen (auf höchstens 37°C).

Jetzt das Öl und das Lysolecithin zugeben und 2 Min./St. 2 vermischen. Auf keinen Fall höher mixen, denn sonst fängt die Mische an zu schäumen.

Glycerin, ätherische Öle und Biokons zugeben und nochmal 2 Min. /St. 2 verrühren. pH-Wert-Probe machen. Liegt der Wert im basischen Beriech, mit ein, zwei Tropfen Zitronensaft-Konzentrat nachkorrigieren.

Passt der Wert, die Lebensmittelfarbe zugeben und bei Stufe 2 solange verrühren, bis sie sich gut mit der Masse vermischt hat. Ggf. mit dem Spatel nacharbeiten. Dann in die Flasche umfüllen.

Anwendung: Pro Vollbad zwei bis drei Deckel voll Badekonzentrat ins Wasser geben und mit der Hand oder der Brause kräftig aufschäumen.

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Aus rechtlichen Gründen weise ich darauf hin, dass ich keine ausgebildete Medizinerin oder Kosmetikerin bin. Ich betreibe diesen Blog und die DIY-Kosmetik als Hobby, alle meine Aussagen über Wirkungsweisen und Eigenschaften von Rohstoffen und Rezepten basieren auf meiner persönlichen Erfahrung. Da aber jeder Mensch anders ist, ist es möglich, dass einzelne Produkte oder Rohstoffe bei dir anders wirken als bei mir. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich hier weder eine Linderung von Problemen oder gar Krankheiten verspreche oder garantiere. Wenn du meine Rezepte nachmixt, geschieht das auf eigenes Risiko.

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